Philosophie


..... häufig stelle ich mir die Frage, wieso ich mir überhaupt das Gleitschirmfliegen als Hobby ausgesucht habe? Genau genommen habe ich es mir nicht mal ausgesucht, es hat eher „zufällig“ meinen Weg gekreuzt. Es gibt ja wirklich dankbarere Freizeitbeschäftigungen als diese Fliegerei. Vor allem in Situationen, wie dieser, in der letzte richtige Thermikflug schon gefühlte Lichtjahre weit in der Vergangenheit liegt und das liebe Wetter in den nächsten paar Tagen eher den Skifahrern Freude bereitet. Da kannst man jetzt wirklich nur abwarten und Tee trinken. Übrigens, der M-Buget-Wohlfühltee der Migros kann ich wärmstens empfehlen. Wenn die fliegerischen Entzugserscheinungen dann irgend wann nicht mehr zu unterdrücken sind, deine Mitmenschen dich aktiv auffordern doch wieder mal in die Luft zu gehen, hilft es meistens, wenn man körperlichen Kontakt zum Fliegermaterial aufnimmt. Den Schirm neu packen oder ein wenig am GPS rumdrücken, liegen bei mir dann hoch im Kurs. Auch das Gurtzeug „neu“ einstellen oder die Strecken vorab auf Google-Earth abfliegen, wirken jeweils kurzzeitig entspannend. Man kann sein Belohnungszentrum auch hervorragend überlisten in dem man sich was Neues dazu kauft.

 

Hmmm… zum Glück macht dieses suchtartige Verhalten nicht noch ernsthaft krank! Zumindest rede ich mir das immer wieder, relativ erfolgreich, ein. Erstaunlicherweise durchlebt jeder von uns Flieger ähnliche Situationen. Mit den Jahren sollen sich diese Symptome langsam abschwächen……so heisst es. Na ja, bei mir ist von diesen Effekt noch nichts zu spüren. Es ist ja nicht so, dass „der Flieger“ vom Wesen her keine gesellige Person ist. Aber so bald man sich von seinen Kollegen verabschiedet hat und den Erdboden verlässt, verändert sich dieser Mensch zum Einzelkämpfer. Ich denke genau an diesem Punkt unterscheidet sich das Gleitschirmfliegen von anderen Sportarten. Man kann diesen Sport nicht einfach nur so nebenbei konsumieren wie andere, dafür ist er viel zu komplex. Es braucht alle Sinne und den ganzen Verstand, damit man realisieren kann, was man gerade tut. Ob man auf Strecke ist, Acro fliegt oder nur einen winterlichen Abgleiter macht, ist dabei eigentlich nebensächlich. Die Technik, wie zum Beispiel starten und landen, gerät irgendwann praktisch komplett in den Hintergrund. Für einen Aussenstehenden, "Nichtflieger", wahrscheinlich schwer nach zu vollziehen. Sind es nicht die Vorgänge, die hinter der Fassade ablaufen, die unsere Fliegerei zu was ganz Einzigartigem macht? Egal wie du dich vorher irgendwie durchs Leben gemogelt hast, wenn du den Boden mit einem Gleitschirm verlässt, wird dir jede deiner charakterlichen Schwächen früher oder später auf die Nase gebunden. Plötzlich entscheiden Eigenschaften, wie Geduld, Rücksicht oder Durchhaltewille über Erfolg und Misserfolg. Ich muss mich immer wieder meiner Höhenangst stellen. Je nach persönlicher Tagesform, ist diese mehr oder weniger präsent.

 

Auch langjährigen Fliegern, wie mir, bleibt es nicht erspart sich immer weiter zu entwickeln. Fliegen ist eine andauernde Entdeckungsreise, wie es ein Konstrukteur mal treffend in einem Interview beschrieben hatte. Ich denke, es fokussiert sich alles auf den einzelnen Moment. Oder anders ausgedrückt, da ein Gleitschirm ohne motorische Kraft fliegt, stellt sich (nach dem Trägheits-gesetz) beim Geradeausflug immer ein Gleichgewicht zwischen der Luftkraft-resultierenden und dem Gesamtgewicht ein.... Alles klar? ........ jetzt weißt du Bescheid ;-).

 

In dem Sinn....